Seminar zu Stammtischparolen
Wer schweigt, stimmt zu! Demokratie sind wir alle!
Was tun, wenn plötzlich menschenverachtende Parolen fallen? Wenn Worte verletzen, ausgrenzen und die Würde anderer infrage stellen? Wegsehen, schweigen – oder den Mut finden, etwas zu sagen?
Diese Frage trieb auch die Solinger OMAs um. Ende März luden sie zu einem Kurzseminar ein, um genau das zu üben: Haltung zeigen – auch dann, wenn es schwerfällt.
„Es geht nicht ums Gewinnen – es geht darum, Haltung zu zeigen!“
Elf OMAs stellten sich dieser Herausforderung. Gemeinsam mit David Kühne und Johanna Keßler sammelten sie typische Parolen, überprüften Fakten und wagten sich in Rollenspiele, die näher an der Realität waren, als manchen lieb war.
Eine Erkenntnis traf viele unerwartet:
„In der Rolle der Hetzerinnen fühlten wir uns plötzlich stark – fast schon erschreckend gut“, berichtete eine Teilnehmerin. Umso schwieriger war die andere Seite: das Dagegenhalten. Unsicherheit machte sich breit. Wut, Rückzug, hilflose Versuche, ins Gespräch zu kommen – alles war dabei. Eine gemeinsame Strategie? Fehlanzeige.
Genau hier setzte das Seminar an.
„Selbstschutz hat immer Vorrang“, machte David Kühne deutlich. Niemand müsse sich selbst in Gefahr bringen. Doch es gebe Wege, nicht sprachlos zu bleiben: gezielt einzelne Menschen ansprechen, Verbündete suchen, Situationen bewusst lenken.
„Sei gelassen“
Klarheit statt Lautstärke: Oft sind es einfache Fragen, die den Ton verändern können. „Woher haben Sie diese Information?“ oder „Was genau meinen Sie damit?“ – Fragen, die zum Nachdenken zwingen, ohne weiter zu eskalieren.
Respekt zeigen, ohne nachzugeben. Verallgemeinerungen aufbrechen. Beim Thema bleiben. Und vor allem: sich selbst treu bleiben.
„Bleibt authentisch – und bleibt bei euch“, ermutigte Johanna Keßler. Mit kleinen Achtsamkeitsübungen gab sie den Teilnehmerinnen etwas mit, das über Argumente hinausgeht: innere Ruhe.
„Sei gelassen – du kannst die Welt nicht allein verändern. Aber du bist nicht allein.“
Vielleicht, so die Erkenntnis, verändert ein Gespräch nicht sofort alles. Vielleicht bleibt ein Widerspruch zunächst ohne sichtbare Wirkung. Doch Worte können nachhallen. Sie können Zweifel säen. Und sie können zeigen: Hass bleibt nicht unwidersprochen.
Das Moderatorenteam aus Gießen brachte nicht nur Fachwissen, sondern auch persönliche Motivation mit. Johanna Keßler arbeitet im Bereich Yoga und Pädagogik, David Kühne wurde selbst durch ein Seminar gegen Stammtischparolen inspiriert, aktiv zu werden. Ausgebildet wurde er bei Klaus-Peter Hufer, außerplanmäßiger Professor an der Uni Duisburg-Essen, der auch das Konzept für diese Seminare entwickelte. Alle drei verbindet der Wunsch, Menschen zu stärken – für eine lebendige, mutige Demokratie.
Und die OMAs?
Sie gingen mit mehr als nur neuen Argumenten nach Hause.
Mit mehr Mut.
Mehr Klarheit.
Dem Gefühl: Ich bin nicht mehr allein sprachlos.
Und der Gewissheit, dass es noch viel zu tun gibt.
Tipp:
Klaus-Peter Hufer ist Autor zahlreicher Publikationen:
- „Demokratie: Gerade jetzt!“, Kempen 2024, „
- „Mut zur Demokratie: Nicht hinschauen, sondern handeln“, Frankfurt/M. 2024
- „Argumente am Stammtisch – Erfolgreich gegen Parolen, Palaver und Populismus“, u.a.